Dr. Write Ratgeber
Exzerpte: Originalwortlaut und eigene Gedanken trennen
In deinen Notizen steht ein treffender Satz. Zwei Wochen später weißt du nicht mehr: Stammt er wörtlich aus dem Aufsatz, hast du dessen Aussage zusammengefasst oder war es dein eigener Einfall? Ein brauchbares Exzerpt hält diese Unterschiede bereits beim Lesen fest. Du brauchst dafür kein kompliziertes System, sondern erkennbare Kennzeichnungen und genaue Fundstellen.
Drei Arten von Notizen unterscheiden
Die Studientechniken der Europäischen Ethnologie an der Universität Wien erläutern, dass Exzerpte verschiedene Formen haben können. Sie empfehlen Seitenangaben, eine Kennzeichnung wörtlicher Übernahmen und die Trennung von Textinhalt und eigener Einschätzung. Das folgende Verfahren ist eine eigene Arbeitshilfe für deine Notizen; bei einer benoteten Exzerptaufgabe gelten zusätzlich die konkreten Anforderungen der Lehrveranstaltung.
- Wörtlich: unveränderter Wortlaut aus der gelesenen Quelle, als Zitat erkennbar und mit genauer Fundstelle.
- Sinngemäß: fremder Gedanke in deiner eigenen Formulierung, weiterhin der Quelle zugeordnet.
- Eigener Kommentar: deine Frage, Kritik, Verbindung oder nächste Arbeitsidee, deutlich als eigener Beitrag markiert.
Ein vollständig erfundenes Übungsbeispiel
Ausgangstext für diese Übung, von uns erfunden: „Die Gruppe sammelte ihre offenen Aufgaben auf einer gemeinsamen Liste. Die Zuständigkeiten wurden erst im anschließenden Gespräch verteilt.“ Dieser Text stammt aus keiner Studie und darf nicht als Fachquelle verwendet werden. Die Bezeichnung „Übungstext A, Absatz 1“ dient nur zum Üben einer Fundstellenangabe.
Wörtlich – Übungstext A, Absatz 1: „Die Zuständigkeiten wurden erst im anschließenden Gespräch verteilt.“
Sinngemäß – Übungstext A, Absatz 1: Die Gruppe hielt zunächst unerledigte Aufgaben fest und klärte danach im Gespräch, wer sie übernehmen sollte.
Eigener Kommentar: Für mein Kapitel könnte die zeitliche Trennung von Aufgabensammlung und Verantwortungszuweisung interessant sein. Ich muss noch prüfen, ob meine tatsächlich verwendete Fachliteratur diese Unterscheidung behandelt.
Die Paraphrase bewahrt die Reihenfolge des erfundenen Ausgangstextes. Sie behauptet weder, dass gemeinsame Listen immer funktionieren, noch dass ein Gespräch die Zusammenarbeit verbessert. Der Kommentar formuliert eine weitere Arbeitsidee. Er ist kein Befund des Ausgangstextes. Genau diese Grenze würde verloren gehen, wenn alle drei Notizen als ein zusammenhängender Absatz gespeichert würden.
So legst du eine kleine Exzerptnotiz an
- Kopf: Publikation eindeutig benennen und mit deinem Literatureintrag verbinden. Halte fest, welche Abschnitte du tatsächlich gelesen hast.
- Fundstelle: Seitenzahl oder eine andere zuverlässige Positionsangabe direkt zur einzelnen Notiz setzen. Eine Seitenzahl nur am Dateianfang hilft bei vielen Passagen wenig.
- Inhalt: „Wörtlich“ oder „Sinngemäß“ vor die betreffende Notiz schreiben. Übernommene Formulierungen schon beim Einfügen kenntlich machen.
- Reaktion: Eine getrennte Zeile „Eigener Kommentar“ anlegen. Hier haben Zweifel und Verbindungen zu deinem Projekt Platz.
Nutze ausgeschriebene Kennzeichnungen, wenn du Notizen zwischen Programmen kopierst. Eine Farbe allein kann beim Export oder Ausdruck verschwinden. Wenn du später eine Paraphrase änderst, kontrolliere sie noch einmal am Original: Wurden Bedingungen, Einschränkungen und die handelnden Personen beibehalten?
Eine eigene Formulierung braucht weiterhin einen Beleg
Geschichte Online der Universität Wien unterscheidet wörtliche und sinngemäße Übernahmen und erläutert deren Quellenzuordnung. Ein fremder Gedanke wird durch Umformulieren nicht zu deinem eigenen. Für die spätere Arbeit brauchst du daher auch bei einer Paraphrase einen Beleg nach dem vorgeschriebenen Zitierstil. Die Kennzeichnungen in deiner privaten Notiz ersetzen diesen Beleg nicht.
Prüfe beim Übertragen in deinen Rohtext deshalb zwei Dinge getrennt: Wer hat den Gedanken entwickelt, und welche Formulierung verwendest du? Übernimm eine unklare Notiz vorerst nicht als gesicherte Aussage. Markiere sie als zu prüfen und schlage die Passage nach.
Wenn du noch nicht eindeutig von der Notiz zur richtigen Publikation zurückkommst, beginne bei den Quellendaten in deiner Literaturverwaltung. Ein Exzerpt ist dann hilfreich, wenn es dir später sowohl den Inhalt als auch dessen Herkunft zuverlässig wieder erschließt.
Die Ratgeber werden mit KI-Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Hochschulvorgaben haben Vorrang.
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