Dr. Write Ratgeber
Literaturrecherche systematisch beginnen
Du hast ein Thema, aber jeder Suchlauf liefert andere Treffer. Einige Texte wirken interessant, andere passen nur entfernt. Ein geordneter Recherchebeginn hilft dir, Entscheidungen zu treffen: Welche Literatur brauchst du, wo suchst du und warum nimmst du eine Quelle auf? Dafür brauchst du zunächst keine riesige Sammlung, sondern eine überprüfbare Arbeitsweise.
Mit „systematisch“ sind hier nachvollziehbare Suchschritte gemeint. Eine vollständige systematische Übersichtsarbeit kann zusätzliche fachliche und methodische Anforderungen haben. Kläre deshalb früh, welche Art von Literaturarbeit deine Hochschule und Betreuung erwarten.
1. Schreibe auf, was du herausfinden möchtest
Formuliere deine vorläufige Frage in einem Satz. Ergänze den Gegenstand, die relevante Gruppe und den Zusammenhang, den du untersuchen möchtest. „Homeoffice“ ist noch ein Themenfeld. „Welche Zusammenhänge zwischen Homeoffice und Arbeitszufriedenheit werden bei Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern untersucht?“ ist ein möglicher Rechercheausgangspunkt. Das Beispiel enthält keinen behaupteten Forschungsbefund.
Notiere daneben, was zunächst außerhalb deiner Arbeit liegt. Vielleicht untersuchst du keine Selbstständigen oder konzentrierst dich auf einen bestimmten Arbeitskontext. Solche Grenzen dürfen sich beim Lesen ändern. Halte die Änderung fest, statt sie unbemerkt in immer neue Suchanfragen einfließen zu lassen.
2. Baue eine kleine Begriffsmatrix
Zerlege die Frage in zwei oder drei zentrale Konzepte. Sammle für jedes Konzept deutsche und englische Begriffe sowie passende Schreibvarianten. Im Beispiel könnten die Spalten „Homeoffice / remote work / telework“, „Arbeitszufriedenheit / job satisfaction“ und „Berufseinstieg / early career“ heißen. Die Liste ist ein Arbeitsentwurf, keine verbindliche Übersetzung für jedes Fach.
Unterscheide frei gewählte Stichwörter von den kontrollierten Schlagwörtern eines Katalogs. Schau bei einem passenden Treffer nach, welche Schlagwörter vergeben wurden, und prüfe sie für den nächsten Suchlauf. Die Universitätsbibliothek Heidelberg erläutert diese Unterscheidung in ihrer Anleitung zur thematischen Suche. Deine Begriffsmatrix kann eine zusätzliche Spalte für solche gefundenen Begriffe enthalten.
3. Teste die Suchlogik schrittweise
Beginne im Bibliothekskatalog und einer für dein Fach geeigneten Datenbank. Verknüpfe alternative Bezeichnungen meist mit OR und unterschiedliche Konzepte mit AND. Ein möglicher Test lautet: (Homeoffice OR telework) AND (Arbeitszufriedenheit OR „job satisfaction“). Prüfe aber immer die Hilfeseite des verwendeten Systems: Anführungszeichen, Suchfelder und Trunkierungszeichen sind nicht überall identisch.
Die Universität Wien erklärt in ihrem Recherchehandout die Verknüpfungen UND, ODER und NICHT sowie Möglichkeiten der erweiterten Suche. Setze Ausschlüsse vorsichtig ein. Ein NOT-Begriff kann auch relevante Texte entfernen, wenn diese das ausgeschlossene Wort nur am Rand nennen. Prüfe eine zu enge Suche zunächst ohne solche Ausschlüsse.
4. Führe ein Suchlog statt immer neu zu beginnen
Lege eine einfache Tabelle an. Für jeden Suchlauf hältst du Datum, Katalog oder Datenbank, genaue Suchanfrage, durchsuchte Felder, Filter und deine nächste Entscheidung fest. Trage Trefferzahlen nur ein, wenn du sie tatsächlich beobachtet hast. So kannst du später unterscheiden, ob eine kleinere Menge durch andere Begriffe, einen Zeitraumfilter oder eine andere Datenbasis entstanden ist.
Eine hilfreiche Notiz wäre: „Viele Treffer behandeln Führungskräfte; im nächsten Lauf Berufseinstieg ergänzen.“ Ändere möglichst einen Bestandteil pro Test. Wenn du gleichzeitig Sprache, Zeitraum, Suchfeld und Begriffe wechselst, ist der Unterschied schwer zu erklären. Speichere auch erfolglose Ansätze: Sie zeigen, was du bereits geprüft hast.
5. Trenne Finden, Auswählen und Lesen
Prüfe zuerst Titel und Abstract auf Bezug zur Frage. Notiere einen sachlichen Grund für Aufnahme oder Ausschluss. Beim Lesen kontrollierst du genauer, was untersucht wurde, welche Methode verwendet wird und welche Grenzen die Autorinnen und Autoren nennen. Ein passender Titel ist noch kein Beleg für deine spätere Aussage.
Übernimm ausgewählte Texte in eine Quellenmatrix mit vollständiger Literaturangabe, Fragestellung, Methode, relevanter Aussage, Einschränkungen und geplantem Kapitel. Ergänze bei wichtigen Passagen die Seitenzahl. Markiere wörtliche Zitate eindeutig und halte eigene Gedanken getrennt. So bleibt sichtbar, welche Aussage aus welcher tatsächlich gelesenen Quelle stammt.
6. Prüfe Lücken und entscheide den nächsten Schritt
Lies deine Matrix quer: Fehlt eine zentrale Definition? Stimmen die untersuchten Gruppen mit deinem Vorhaben überein? Gibt es unterschiedliche Perspektiven? Suche gezielt nach diesen Lücken, statt nur weitere PDFs zu sammeln. Verzeichnisse bereits passender Arbeiten können zusätzliche Suchansätze liefern; neue Quellen prüfst du wieder eigenständig.
Dein erster Recherchezyklus ist abgeschlossen, wenn du deine Frage, verwendeten Suchwege und Auswahlentscheidungen erklären kannst und eine begründete nächste Aufgabe hast. Das kann eine engere Frage, ein weiterer Datenbanklauf oder das Lesen eines zentralen Textes sein. Eine allgemeingültige Mindestzahl von Quellen ergibt sich daraus nicht.
Unterstützung bei der eigenen Recherche
Wenn du deine Suchstrategie oder den Umgang mit gefundenen Quellen besprechen möchtest, findest du bei Dr. Write Informationen zur Unterstützung bei der Literaturrecherche. Deine Quellenprüfung und wissenschaftlichen Entscheidungen bleiben Bestandteil deiner eigenen Arbeit.
Die Ratgeber werden mit KI-Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Hochschulvorgaben haben Vorrang.