Dr. Write Ratgeber
Nach der Abgabe die eigene Arbeitsroutine auswerten
Die Abschlussarbeit ist abgegeben. Jetzt lässt sich mit etwas Abstand eine andere Frage stellen als während des Endspurts: Welche Arbeitsweisen möchtest du in das nächste Projekt mitnehmen? Ein kurzer Rückblick kann dafür konkrete Anhaltspunkte sammeln. Dafür brauchst du weder eine Note noch ein Gutachten. Betrachte dein Vorgehen, ohne daraus ein Urteil über die Qualität oder Bewertung der abgegebenen Arbeit abzuleiten.
Erinnerungen an konkreten Situationen prüfen
Nimm ein Blatt und vorhandene Unterlagen wie Kalender, Arbeitsnotizen oder Aufgabenlisten zur Hand. Wähle drei Situationen: einen hilfreichen Arbeitsmoment, eine wiederkehrende Schwierigkeit und eine Entscheidung, deren Nutzen unklar blieb. Notiere jeweils, was du tatsächlich getan hast. „Ich war schlecht organisiert“ ist ein pauschales Urteil. „Vor drei Schreibterminen musste ich zuerst meine Notizen zusammensuchen“ beschreibt dagegen einen Vorgang, an dem du weiterarbeiten kannst.
Die Schreibberatung der Universität Göttingen empfiehlt unter anderem Schreibjournal und Worklog, um Gedanken zum Prozess beziehungsweise erledigte Tätigkeiten festzuhalten. Für diesen Rückblick können bereits vorhandene Aufzeichnungen als Erinnerungshilfe dienen. Fehlende Dokumentation musst du nicht nachträglich erfinden: Kennzeichne eine unsichere Erinnerung ausdrücklich als solche.
Ein Rückblickbogen mit drei Entscheidungen
Ordne deine Beobachtungen den folgenden Feldern zu. Die hier vorgeschlagene Übung ist eine praktische Arbeitshilfe, kein Bewertungsinstrument deiner Hochschule. Ein oder zwei Einträge pro Feld reichen für einen ersten Versuch.
- Beibehalten: Was hat eine konkrete Aufgabe erleichtert? Unter welchen Bedingungen war das möglich? Formuliere die Routine so genau, dass du sie erneut ausprobieren kannst.
- Ändern: Wo entstand wiederholt vermeidbare Zusatzarbeit? Welchen einzelnen Ablauf könntest du beim nächsten Projekt anders gestalten?
- Offen: Was kannst du noch nicht beurteilen? Welche Information oder Beobachtung fehlt, bevor du daraus eine Regel machst?
Trenne dabei Beobachtung und Erklärung. Aus „Ich habe den Absatz am Morgen fertiggestellt“ folgt noch nicht, dass du grundsätzlich nur morgens gut schreiben kannst. Vielleicht waren an diesem Tag Material und Aufgabe besonders klar. Schreibe solche möglichen Erklärungen nebeneinander, statt eine davon vorschnell als Ursache festzulegen.
Fiktives Beispiel: eine veränderte Übergabe an sich selbst
Das folgende Beispiel ist vollständig fiktiv. Lea sieht in ihren Kalendernotizen, dass sie nach längeren Unterbrechungen wiederholt nach der zuletzt verwendeten Quelle gesucht hat. An einem anderen Termin hatte sie den nächsten Arbeitsschritt am Vorabend notiert. Diesmal konnte sie ohne diese Suche beginnen.
Unter „Beibehalten“ schreibt sie: „Nach einer Sitzung die aktuelle Fundstelle und die nächste Frage festhalten.“ Unter „Ändern“ steht: „Nicht erst beim nächsten Termin entscheiden, welche Datei ich öffnen muss.“ Offen bleibt, ob die Unterbrechungsdauer oder ihre Ablage den größeren Anteil an der Sucharbeit hatte. Über die Bewertung ihrer Abschlussarbeit sagt diese Beobachtung nichts aus.
Ihr nächster Versuch lautet deshalb: „Bei den ersten drei Arbeitsterminen des nächsten Schreibprojekts hinterlasse ich jeweils einen kurzen Startvermerk. Beim Folgetermin notiere ich, ob mir trotzdem Informationen fehlen.“ Sie ändert zunächst diese eine Routine. Eine allgemeine Aussage wie „Künftig arbeite ich disziplinierter“ wäre dafür zu unbestimmt.
Aus einem Vorsatz einen überprüfbaren Versuch machen
Wähle aus dem Rückblick genau eine Änderung. Halte fest: Bei welcher Aufgabe beginnt der Versuch? Was tust du konkret anders? Woran erkennst du, ob die Änderung zu deinem Alltag passt? Wann schaust du erneut darauf? Berücksichtige dabei auch Nebenwirkungen: Eine aufwendige Dokumentation kann selbst zusätzliche Arbeit erzeugen.
Für den Einstieg in einen nächsten Arbeitstermin findest du weitere Anregungen im Ratgeber Schreibsitzung vorbereiten. Wenn deine Beobachtungen vor allem größere Planungsschritte betreffen, hilft die Anleitung zum Zeitplan mit Meilensteinen, den nächsten Versuch an einer konkreten Etappe festzumachen.
Offene Fragen dürfen offen bleiben
Nicht jede Schwierigkeit lässt sich aus dem Rückblick allein erklären. Die Schreibberatung des Internationalen Schreiblabors Göttingen nennt reflektierte Entscheidungen über Vorgehensweisen als ein Ziel ihrer Beratung und behandelt unter anderem Arbeitsorganisation. Prüfe bei Bedarf das Angebot deiner eigenen Hochschule. Nimm eine konkrete Situation und deine offene Frage mit. Dein Rückblick ist abgeschlossen, wenn du eine brauchbare Routine, einen begrenzten Änderungsversuch und die verbleibenden Unsicherheiten festgehalten hast.
Die Ratgeber werden mit KI-Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Hochschulvorgaben haben Vorrang.
Schreibe einen Kommentar